Unser Mixed Methods-Ansatz besteht aus drei zusammenhängenden Projekten, die den Engaged Scholarship Approach anwenden:
1. Bildung eines neuen Leadership-Verständnisses durch explorative, vergleichende Fallstudien-Analyse: Das erste Projekt beginnt mit einer induktiven, explorativen Untersuchung für ein neues Leadership-Verständnis. Eine qualitative Erhebung bildet die Grundlage. Diese Forschung geht von einem anfänglichen Vorverständnis von Leadership aus (Sachs & Rühli, 2011). Die Besonderheiten von Leadership sind bisher noch kaum mit genügend empirischer Evidenz und auf eine vernetzte Weise, wie sie im Abschnitt über Herausforderungen beschreiben wurde, erforscht worden. Die Forschungsstrategie für diesen Teil der Studie ist ein longitudinales, vergleichendes und eingebettetes Falldesign.[i] Wir suchen deshalb nach besonders ergiebigen und aufschlussreichen Fällen. Diese werden in mehreren Schritten identifiziert.
Wir können auf unsere bestehende Datenbasis zurückgreifen, um Beispiele zu finden, welche das Potenzial haben neue Verständnisse für Leaderhip aufzuzeigen und als Ausgangspunkt zu dienen, um Fallbeispiele zu identifizieren. Ausserdem können wir – auch dies eine Folge unserer früheren Forschung – auf ein breites Netzwerk von Praktikern und Akademikern zugreifen. Diese Kontakte können uns mit Informationen versorgen und können uns dabei unterstützen, Zugang zu aufschlussreichen Fällen zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund werden wir daher in einem ersten Schritt mit einer Runde von Experteninterviews beginnen („Pioniere“), um ein erstes Set von Fällen zu definieren, die für unsere Studie Potenzial haben. Als zweiter Schritt des Samplings wählen wir Fälle aus, von denen Leute aus der Praxis sagen, dass sie ein neues Leadership-Verständnis anwenden oder angewendet haben. Um diese Auswahl zu treffen, führen wir Interviews mit Leuten, die nahe am Geschehen sind. Wir klären mit ihnen ab, ob die Fälle den folgenden Kriterien entsprechen: Die Samples sollten sich um ein spezifisches Issue oder Projekt und das entsprechende Stakeholder-Netzwerk drehen, um das herum ein neues Leadership-Verständnis entstehen kann. Der Analyse-Fokus wird auf entscheidende Events (positive oder negative) in der Entwicklung eines solchen neuen Verständnisses gelegt.
Ausgehend von der Fallauswahl wird die Datensammlung auf multiple Quellen abgestützt, damit die Evidenz für unsere Forschung trianguliert werden kann.[ii] Die Haupt-Datenquelle wird aus offenen, semi-strukturierten Interviews mit den Teilnehmern aus den Unternehmungen und den Stakeholder-Organisation bestehen, die in einer Schneeball-Vorgehensweise identifiziert werden. Des Weiteren werden wir Sekundär-Daten sammeln, um die Fälle zu verfolgen und um weitere Belege zu finden für ein neues Verständnis. Da wir laufende Fälle auswählen, werden wir uns auf eine dritte Datenbasis abstützen: Die teilnehmende Beobachtung von Meetings, Roundtables, etc., bei denen wir Notizen machen zu den Interaktionen zwischen den involvierten Parteien. Durch Beobachtung hoffen wir, unübliche oder unreflektierte Aspekte eines neuen Verständnisses aufzuzeigen. Durch konstantes Vergleichen von Events, Themen, Kategorien sowie Beziehungen innerhalb der Fälle, können wir ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen. Der Analyse-Prozess erfolgt mithilfe einer Software für qualitative Datenanalyse, genauer ATLAS/ti, um voreilige Schlüsse zu vermeiden. So kann die Datenanalyse systematisch unterstützt werden, aber auch die Datenvielfalt und die Nähe zum Originalmaterial sichergestellt werden. Ausserdem hilft die Verwendung von Software, die Daten systematischer zu untersuchen, insbesondere mit verschiedenen Such- und Abfrageoptionen. Ausserdem können die mit ATLAS/ti generierten Resultate für weitere statistische Analyse exportiert werden. Das erwartete Resultat dieser ersten Forschungsphase sind empirisch reichhaltige Denk-Kategorien für ein neues Leadership-Verständnis, die in einem zweiten Projekt weiter verdichtet werden.
2. Klassifikationen und Kategorisierungen: Das Ziel des zweiten Projekts ist es in der Folge, diejenigen Dimensionen von Leadership zu klassifizieren und kategorisieren, die sich als zentral für die Wertschöpfung in gemeinsamen Stakeholder-Netzwerken erwiesen haben. Aufbauend auf den Befunden des ersten Projektes werden wir folgende Forschungsfrage verfolgen: „Welche zugrunde liegenden Faktoren werden von Leadern gebraucht, um für Wertschöpfung im Stakeholder-Netzwerk zu klassifizieren?“
3. Überprüfen der Theorie: Unsere Ergebnisse aus dem Projekt 2 werden mit quantitativen Methoden überprüft. Im dritten Projekt werden die Konsequenzen eines neuen Leadership-Verständnisses in Stakeholder-Netzwerken mithilfe einer Umfrageforschung bei multiplen Quellen analysiert.
| [i] | Eisenhardt, 1989; Yin, 2009 |
| [ii] | Patton, 1990 |
News vom Blog:
06-04-2012: Paper "The Impact of Stakeholder Identities on Mutual Value Creation in Issue-Based Stakeholder Networks" by Tom Schneider and Sybille Sachs accepted for presentation at the AoM Annual Meeting 2012.
10-02-2012: Our PDW proposal 'Value creation with "people for people"' for the AoM Meeting 2012 has been accepted!